
Übersetztes Fachchinesisch - Wer sich in eine Materie vertieft und sie beschreiben will, kommt mit dem sprachlichen Alltagsinventar meist nicht weit. Das ist für Aussenstehende zwar ärgerlich, liegt aber in der Natur der Sache. Und weil dem so ist, gibt es muttersprachliche Übersetzungen von Fachkollegen. Alice Lagaay und David Lauer lehren beide Philosophie in Berlin und haben sich der Aufgabe angenommen, die Modelle bedeutender Medientheoretiker auch Normalsterblichen verständlich zu machen. Aber vielleicht ist das mit den „Normalsterblichen eine Annahme von mir, die falsche Erwartungen weckte. Denn wem das philosophische Vokabular fremd ist, wird seine liebe Mühe habe, diese Übersetzung zu verstehen.Für Medieninteressierte, die zwar die grossen Theoretiker kaum verstanden, aber durchaus mit philosophischen Begriffen umgehen können, ist die Lektüre jedoch Gewinn und streckenweise sogar ein Genuss. So wird zum Beispiel der Jahrhundertsatz von McLuhan „The medium is the message endlich so geklärt und eingebettet, dass man sich wundert, McLuhan nicht schon immer so verstanden zu haben. Meine Ansicht über Jean Baudrillard konnte der Aufsatz von Christopf Windgätter nicht ändern, ich finde den französischen Soziologen noch immer einen der interessantesten intellektuellen Schaumschläger. Dafür entdeckte ich Medientheoretiker wie Derrick de Kerckhove, Vilém Flusser, Friedrich Kittler, Mike Sandbothe oder Lev Manovich, fand mich in meiner Vorliebe für Martin Seel bestätigt, erfuhr den biografischen Hintergrund für die Thesen Paul Virilios, verstand die Dialektik Hartmut Winklers besser und war erstaunt, wie aktuell Niklas Luhmann noch immer ist. Fazit: Für Interessierte mit ausgebautem Wortschatz und ohne grosse Erwartungen an bildhafte Veranschaulichungen ist dieses Buch ein Muss. Wer einfach ein bisschen am intellektuellen Spiel mit Wirklichkeiten teilhaben möchte, wird wohl bald wieder auf der Ersatzbank Platz nehmen.